Nach 60 Jahren brauchen wir eine Runderneuerung der Sozialen Marktwirtschaft - jenseits von Links-Rechts-Denkschablonen.
Wir brauchen Reformen, die Effizienz und Gerechtigkeit verbinden.
Gelingt uns das nicht, werden die Populisten von links und rechts mit dem Schlagwort Raubtierkapitalismus nicht nur unseren Wohlstand vernichten sondern auch Demokratie und Rechtsstaat.
Einzelreformen stoßen zu schnell an ihre Grenzen und konterkarieren sich oft gegenseitig. Ideologisch geprägte Reformvorschläge - marktradikale oder staatslastige - haben keine Balance zwischen sozialer Sicherheit und marktwirtschaftlicher Anreize.
Es müssen sich Kräfte für ein Reformkonzept der Mitte bilden. Dabei ist Beharrlichkeit gefragt, weil diese Mitte nicht organisiert ist und daher entsprechende Reformkonzepte es schwer haben. Weder Arbeitgeberverbände noch Gewerkschaften werden sich dafür ohne Weiteres begeistern lassen, weil ein solches Reformkonzept nicht Einzelinteressen sondern die Wohlfahrt der Gesamtheit im Auge hat. Auch wahltaktisch ist ein solches Reformkonzept riskant. Auf der anderen Seite werden die Menschen die Politik immer weniger ernst nehmen, wen sie nicht den Eindruck haben "die haben einen Plan". Dabei gilt: je grundsätzlicher und ideologiefreier man die Reform angeht, desto geringer sind Umsetzungsschwierigkeiten, weil sich Widersprüche und Hemmnisse wie von selbst auflösen. Also nur Mut: Think Big und kombiniere die "neoliberale" Flat-Tax mit einer "linken" Bürgerversicherung und schon gibt das Gesamte einen Sinn.
Wir brauchen einen auf Marktmechanismen basierenden integrierten Ansatz: Wir müssen unser Steuer- und Sozialsystem wieder vom Kopf auf die Füße stellen.
müssen völlig neu justiert und aufeinander abgestimmt werden. Ziel ist Wohlstand, Gerechtigkeit und vor allem ausreichend Arbeitsplätze - auch für geringer Qualifizierte. Arbeitsplätze können aber auf Dauer nicht gegen den Markt sondern nur mit den Marktkräften geschaffen werden. Markt und Gerechtigkeit schließen sich dabei nicht aus. Beides zusammen zu bringen - hier liegt die Herausforderung.
Die Innovationskraft und Effizienz marktwirtschaftlicher Mechanismen bleibt unübertroffen.
Diese müssen aber in den Dienst der Menschen gestellt werden.
Bei der Rahmensetzung sollten wir davon ausgehen, dass Manager und am Ende wir alle in der Regel eigennützig handeln (müssen). Die Politik muss daher bei den großen Themen wie Wohlstand, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit einen Rahmen schaffen, in dem eigennütziges Handeln zum gesamtgesellschaftlich gewünschten Ergebnis führt. Das ist die ureigenste Aufgabe von Politik. Auf moralisches Alltagshandeln der Akteure kann man in einer Massengesellschaft nur sehr begrenzt setzen. Diese Aussage wird oft falsch verstanden als Aufruf zu egoistischem Handeln. Das ist damit nicht gemeint. Für moralisches Alltagshandeln und ein entsprechendes Wahlverhalten an der Urne bleibt genug Raum. Der Staat muss aber ein solides Grundgerüst schaffen, damit wir auch bei egoistischem Handeln zu einem gesamtgesellschaftlichen guten Ergebnis kommen. Alles andere ist naiv.
Um dieses Grundgerüst soll es hier gehen.