effizienter & innovativer
Klimaschutz

Das aktuelle Buch zum Thema: Nur Egoismus kann das Klima retten, Gütersloher Verlagshaus, 2011

Ein Missverständnis bzw. noch eine unbequeme Wahrheit:

Klimaschutz ist erster Linie kein technologisches Problem und auch kein Problem individueller Verhaltens­änderungen (moralisches Alltagshandeln). Klimaschutz ist ein Problem falscher ökonomischer Rahmen­bedingungen - und auch nur an dieser Stellschraube wirklich lösbar.

"Nur der Egoismus kann unser Klima noch retten."

Die Klimaforscher sagen uns: Wir müssen bis 2050 die weltweiten Treib­haus­gas­emissionen wohl um 80 % gegenüber 1990 senken, wenn der Temperatur­anstieg auf 2 Grad begrenzt und damit die Folgen des Klima­wandels noch beherrschbar sein sollen.
Für die heutigen Industrie­länder bedeutet dies eine Reduktion von über 90 %, da die absoluten Emissionen der heutigen Schwellen- und Entwicklungs­länder mit heute noch niedrigen Pro-Kopf-Emissionen unweigerlich steigen werden.
 
Entgegen landläufiger Meinung ist erfolgreiche Klima­schutz­politik in erster Linie jedoch keine technologische Heraus­forderung und auch kein Problem von Verhaltens­änderungen sondern ein ökonomisches Problem.

Wir emittieren zu viele Treibhausgase, weil sie keinen Marktpreis haben - der Markt alleine versagt an dieser Stelle.

Die notwendigen Technologien liegen größtenteils in den berühmten Schubladen oder würden entwickelt, wenn die ökonomischen Rahmen­bedingungen stimmen. Wobei sich die effizientesten durchsetzen würden. Auch das Verhalten der Wirtschafts­akteure wird sich nur nachhaltig ändern, wenn die ökonomischen Rahmen­bedingungen stimmen. Dem Klima nützt es gar nichts, wenn Ökostrom mal eine zeitlang Mode ist und umwelt­bewegte Menschen bereit sind mehr zu zahlen. Kann man darauf den Umbau der gesamten Strom­erzeugung aufbauen?

Das bedeutet: treibhaus­gas­ärmere Technologien und Verhaltens­weisen müssen individuell rational sein, d.h. sie müssen sich für Konsumenten und Investoren rechnen. Dafür müssen den fossilen Brennstoffen ihre wahren Kosten angelastet werden! Treibhaus­gas­emissionen brauchen ein Preis. Nur dann funktioniert Marktwirtschaft (Terminus technicus: Internalisierung externer Effekte). Es wäre unverantwortlich allein darauf zu setzen, dass treibhaus­gasarme Technologien und Verhaltensmuster von sich aus in einem ausreichenden Maße die Wirt­schaft­lichkeits­schwelle erreichen.

Ein weiterer Irrtum wäre zu glauben, dass das Problem schon durch die normale Ölpreisentwicklung gelöst wird. Die Preise für fossile Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle) werden zwangsläufig steigen, da die Nachfrage steigt und die Ressourcen begrenzt sind. Aber: Das wird wahrscheinlich nicht dazu führen, dass das die fossilen Brennstoffe unter der Erde bleiben und nicht verbrannt werden. Es spricht vieles dafür, dass der Verbrauch sich höchstens stabilisiert. Wie kann das sein, da man doch davon ausgehen kann, dass durch steigende Preise für fossile Brennstoffe sich die Alternativen (erneuerbare Energien, Energieeffizienz, veränderte Lebens­gewohnheiten) mit der Zeit doch rechnen müssten? Dabei vergisst man jedoch, dass damit der Druck auf die Preise für fossile Brennstoffe auch wieder zurück geht. Außerdem werden die Alternativen nicht unbedingt immer billiger, wenn sie vermehrt eingesetzt werden. So zeigt sich heute schon, dass zum Beispiel Energie aus Biomasse in Konkurrenz zu Nahrungs­erzeugung gerät und die Preise steigen - auch die der Nahrungsmittel. Es spricht also vieles dafür, dass die "normale" Ölpreisentwicklung nicht dazu führt, dass der Verbrauch fossiler Brennstoffe wirklich ausreichend sinkt.

Zu glauben moralische Appelle in Bezug auf Konsum- und Investitions­entscheidungen könnten zum Ziel führen, ist bei dem Ausmaß der Heraus­forderung mehr als naiv - sogar gefährlich naiv. Die notwendigen Konsum- und Investitions­entscheidungen sind offensichtlich nicht attraktiv für die Menschen, sonst hätten wir ja kein Problem. Darauf zu setzen, dass Bewusstseins­veränderungen bei täglichen Entscheidungen zum Ziel führen, wäre so als wenn man Inflations­bekämpfung statt durch unabhängige Zentralbanken über Appelle an die Wirtschaft ersetzen wollte, doch bitte die Preise nicht zu erhöhen und auch keine höheren Preise zu zahlen. In hoch­arbeitsteiligen Massen­gesellschaften ist so etwas - wie gesagt - hochgradig naiv. Scheinbar sind jedoch die Lösungsansätze, die in überschaubaren Stammes­gesellschaften funktioniert haben, noch tief in uns verwurzelt und wir versuchen verzweifelt sie auch auf so komplexe Probleme wie den Klimawandel anzuwenden. Wir haben aber nicht mehr viel Zeit zu lernen, dass ein solches Ansinnen nicht nur eine moralische Überforderung darstellt, sondern dem einzelnen Wirtschaftsakteur schlicht auch die Information fehlt, welche Investitions- oder Konsumentscheidung wirklich die Treibhaus­gasemissionen effizient senkt. Aber auch der Staat ist hoffnungslos damit überfordert, wenn er über Vorgaben und Subventionen wünschenswerte Technologien und Verhaltens­muster im nötigen Ausmaß identifizieren und forcieren wollte. Auch ihm fehlen dazu schlicht die nötigen Informationen und die finanziellen Möglichkeiten. Wer an diesen Weg glaubt, sollte sich noch einmal an die "Erfolge" sozialistischer Planwirtschaft erinnern und eine über 90 %ige CO2-Reduktion über staatliche Detailregelung, Subventionen und Appelle wäre Planwirtschaft pur bzw. käme einer Ökodiktatur gleich.
Das Ergebnis wäre kostspieliger Klimaschutz, der die Innovations­potentiale nicht ausreizt und damit am Ende an der Herausforderung scheitert.

Nur Marktmechanismen können die nötige Innovations­kraft und Kosten­effizienz hervorbringen, die wir brauchen, um eine der größten Heraus­forderungen der Menschheit zu bewältigen. Je kostengünstiger und je einfallsreicher wir Treibhausgase vermeiden, desto geringer sind die volkswirt­schaftlichen Probleme und desto ehrgeiziger können die klima­politischen Ziele sein, ohne dass die Volkswirtschaften durch den unvermeidlichen Strukturwandel überfordert werden. Die Herausforderung ist so groß, dass wir nur bei einem Maximum an Innovationen und Kosteneffizienz Erfolg haben können. Wir dürfen aus der Erkenntnis, dass Markt pur bei vielen Problemen versagt nicht dem anderen Extrem anheim fallen. Der Staat muss eingreifen. Aber bitte mit effizienten Mitteln: eben Marktmechanismen.

Nur eine CO2-Abgabe oder ein umfassender Emissionshandel haben das notwendige Lösungspotential

Im Kyoto-Protokoll wurden bereits mit den Flexiblen Instrumenten Marktmechanismen integriert. Im Nachfolgeregime sollten die gesamten weltweiten Treibhaus­gas­emissionen in ein Zertifikatesystem überführt werden. Wobei es den einzelnen Staaten überlassen bleiben muss, wie sie auf nationaler Ebne ihre Ziele erreichen wollen. Allerdings wäre jedem Staat zu empfehlen auch auf nationaler Ebene auf ökonomische Instrumente, wie Zertifikate und Umweltabgaben,  zu setzten.

Wir brauchen den Einfalls­reichtum von Millionen von Wirtschafts­akteuren, die an ihren eigenen Vorteil denken und wir brauchen die Einsichts­fähigkeit von Wählern, die den Politikern das Gefühl geben, dass sie nicht gleich die Macht verlieren, wenn sie die Wahrheit sagen. Die meisten Politiker wissen im stillen Kämmerlein sehr wohl, was nötig wäre. Nicht zuletzt waren einmal Frau Merkel und Herr Schäuble glühende Verfechter von marktbasierten Instrumenten. Aber: Entweder haben sie Angst vor dem Wähler oder können der Versuchung nicht widerstehen dem politischen Gegner durch Populismus kurzfristig ein paar Stimmen abzujagen. Stattdessen betreiben sie lieber klimapolitische Symbolpolitik und verteilen Subventionen, die wir alle finanzieren müssen. Provokativ gesagt: brauchen wir weniger den Gutmenschen, der seine Identität darauf stützt, dass er zu einer Minderheit gehört, die "(fast immer) alles richtig" macht - so sympathisch diese Menschen im Privaten sein mögen, als den mündigen Bürger, der ökonomische Zusammenhänge versteht. Es rächt sich vielleicht heute, dass wir zwar 60 Jahre in einer Marktwirtschaft leben und uns an den Vorteilen erfreuen, den Menschen aber nie wirklich erklärt haben, wie eine Marktwirtschaft funktioniert.

Auch wenn oben steht: "Nur der Egoismus kann das Klima noch retten",  brauchen wir natürlich weiterhin moralisches Handeln. Aber eben an der richtigen Stelle: An der Wahlurne und bei Politikern, die für ihre Überzeugungen kämpfen.

Wie jede Umweltpolitik, haben markt­wirtschaftliche Instrumente soziale Auswirkungen. Allerdings muss akzeptiert werden, dass auch Umwelt ein "normales Gut" werden muss, wie die PS-Zahl des Autos oder die Größe oder Lage der Wohnung etc. Den Sonderweg, den wir in der Vergangenheit gegangen sind, dass durch staatliches Nichthandeln die Kosten der Umweltnutzung nicht in einem ausreichenden Maße dem Nutzer angelastet werden, können wir uns nicht mehr leisten. Dies impliziert jedoch auch, dass, wie bei allen anderen Gütern auch, der Reichere sich auch mehr davon leisten kann. Dies ist jedoch auch ohne markt­wirtschaftliche Instrumente der Fall, da Reichere sich von den Folgen des Klima­wandels immer besser schützen können als Ärmere. Bei markt­wirt­schaftlichen Instrumenten zahlt der Reiche jedoch einen gerechten Preis für die Nutzung der Umwelt. Falls man der Meinung ist, dass bestimmte Menschen zu reich sind, sollte man das über Verteilungspolitik (z.B. eine Vermögensteuer) lösen und nicht über eine subventionierte Nutzung der Umwelt für alle. Auch wenn man der Meinung ist, dass eine Verteuerung von Energie soziale Probleme aufwirft, sollte man diese durch Sozialpolitik (z.B. eine entsprechende Soziale Basissicherung) lösen, statt durch subventionierte Preise für die Umweltnutzung, von der auch die Reichen profitieren. Eine Möglichkeit wäre auch, die Einnahmen von Treibhaus­abgas­abgaben oder die Versteigerungs­erlöse von Zertifikaten pro Kopf an die Bevölkerung als "Energiegeld" zurück zu geben.


Ein möglicher schrittweiser Weg zu einem effizienten und innovativen Klimaschutz
Roadmap

Führen viele Wege zum nachhaltigen Klimaschutz?
Ein systematischer Instrumentenvergleich