Besonderheiten der Finanzmärkte
Finanzmärkte unterscheiden sich fundamental von sonstigen
Gütermärkten:
-
Da Banken untereinander handeln (Interbankenhandel),
betrifft die Insolvenz einer größeren Bank (systemrelevanten Bank) auch
die Anderen (Gefahr: Dominoeffekt). Dies ist bei normalen Gütermärkten anders: BMW
und Mercedes haben keine direkten Geschäftsbeziehungen. Geht einer von
beiden in Konkurs, kann der Andere damit rechnen mehr Autos zu verkaufen.
Dass Unternehmen pleite gehen können, wenn sie Mist bauen, ist
fundamentale Voraussetzung für einen funktionierenden Markt (für die
Volkswirte: ansonsten Moral-Hazard-Problem), daher sollte man
überlegen, ob der Interbankenhandel eingeschränkt werden sollte. Eine Bank
sollte in erster Linie aus selbst generierten Einlagen Kredite vergeben. Kurzfristige Überschüsse oder
Defizite können über die Zentralbanken laufen.
-
Die Finanzmärkte leben von dem Vertrauen, dass die Anleger
ihr Geld zurück bekommen. Auch hier kann es zu einem Dominoeffekt kommen,
wenn eine größere Bank in Insolvenz geht. Dann helfen auch keine
Einlagensicherungsfonds, wenn dadurch das Vertrauen insgesamt verloren geht,
weil der Großteil der Einlagen wieder als Kredite
vergeben wurde.
Um das Vertrauen aufrecht zu erhalten muss heute der Staat die Einlagen
garantieren - wie geschehen. Durch weniger Interbankenhandel und
größenabhängigem Eigenkapitalvorschriften (je größer eine Bank desto
mehr Eigenkapital muss sie haben) kann Vertrauen wachsen, dass Probleme bei
einer Bank nicht auf Andere überschwappen.
-
Das Rating für Finanzmarktprodukte muss von unabhängiger
staatlicher Seite aus erfolgen.
Funktionierende Finanzmärkte sind einerseits Voraussetzung
für Prosperität aber andererseits auch besonders fragil (s.o.). Daher werden
die Finanzmärkte in allen entwickelten Ländern relativ stark reguliert. Die Globalisierungsfalle
hat jedoch dazu geführt, dass die Regulierung nicht mehr funktioniert, da ein
Wettbewerb der weniger strengen Regulierung statt gefunden hat. Hier müssen
sich die Staaten die Gestaltungsmacht zurück erobern durch internationale
Kooperation.
Leider wird zur Zeit nur auf die Bankmanager eingeschlagen. Sie waren zu gierig.
Dass die Akteure gierig sind. sollte uns aber nicht überraschen. Das ist
so als wenn man Schweinen vorwirft, dass sie sich im Dreck suhlen (ich wollte
jetzt Bankmanager aber nicht mit Schweinen vergleichen). Es ist
Aufgabe der Politik die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Gier
(Egoismus) zu einem gesamtwirtschaftlichen Vorteil wird. Funktionierende Märkte
haben gerade diese Eigenschaft (s. Adam Smith's Unsichtbare Hand). Es ist aber die originäre
Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass Märkte funktionieren. Jeder
Politiker sollte zum Beispiel hellhörig werden, wenn auf einem Markt
zweistellige Eigenkapitalrenditen erwirtschaftet werden. Entweder fehlt es an
Wettbewerb oder eine Spekulationsblase ist am entstehen.
Den gut bezahlten Bankmanagern kann
man allerdings vorwerfen,
dass sie die Politik nicht ausreichend über die sich aufbauende
Spekulationsblase informiert haben. Die einzelne Bank oder der einzelne
Bankmanager kann sich der Marktlogik nur begrenzt entziehen. Aber als
Staatsbürger haben sie die Pflicht vor Schneeballsystemen zu warnen. Wenn die
Banker selbst das Schneeballsystem nicht erkannt haben, sind sie ihr Geld nicht
wert. Wenn sie nicht davor gewarnt haben, haben sie nicht ihre Pflicht erfüllt.
Wenn die Politik eventuelle Warnungen nicht hören wollten, haben sie ihre
originäre Aufgabe nicht erfüllt.
Natürlich hat auch die
Wissenschaft versagt, die nicht in der erforderlichen Breite und Intensität
gewarnt hat, obwohl sie seit Jahrhunderten (s.a. Tulpenzwiebelblase 1637)
Spekulationsblasen beobachten konnte. Vielleicht ist es auch ein heilsamer
Schock und uns bleibt nun manch fruchtlose Diskussion zwischen Marktradikalen und
Staatsanbetern erspart.