Finanzmarktkrise
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Besonderheiten der Finanzmärkte

 

Finanzmärkte unterscheiden sich fundamental von sonstigen Gütermärkten:

  1. Da Banken untereinander handeln (Interbankenhandel), betrifft die Insolvenz einer größeren Bank (systemrelevanten Bank) auch die Anderen (Gefahr: Dominoeffekt). Dies ist bei normalen Gütermärkten anders: BMW und Mercedes haben keine direkten Geschäftsbeziehungen. Geht einer von beiden in Konkurs, kann der Andere damit rechnen mehr Autos zu verkaufen.
    Dass Unternehmen pleite gehen können, wenn sie Mist bauen, ist fundamentale Voraussetzung für einen funktionierenden Markt (für die Volkswirte: ansonsten Moral-Hazard-Problem), daher sollte man überlegen, ob der Interbankenhandel eingeschränkt werden sollte. Eine Bank sollte in erster Linie aus selbst generierten Einlagen Kredite vergeben. Kurzfristige Überschüsse oder Defizite können über die Zentralbanken laufen.

  2. Die Finanzmärkte leben von dem Vertrauen, dass die Anleger ihr Geld zurück bekommen. Auch hier kann es zu einem Dominoeffekt kommen, wenn eine größere Bank in Insolvenz geht. Dann helfen auch keine Einlagensicherungsfonds, wenn dadurch das Vertrauen insgesamt verloren geht, weil der Großteil der Einlagen wieder als Kredite vergeben wurde.
    Um das Vertrauen aufrecht zu erhalten muss heute der Staat die Einlagen garantieren - wie geschehen. Durch weniger Interbankenhandel und größenabhängigem Eigenkapitalvorschriften (je größer eine Bank desto mehr Eigenkapital muss sie haben) kann Vertrauen wachsen, dass Probleme bei einer Bank nicht auf Andere überschwappen.

  3. Das Rating für Finanzmarktprodukte muss von unabhängiger staatlicher Seite aus erfolgen.

Funktionierende Finanzmärkte sind einerseits Voraussetzung für Prosperität aber andererseits auch besonders fragil (s.o.). Daher werden die Finanzmärkte in allen entwickelten Ländern relativ stark reguliert. Die Globalisierungsfalle hat jedoch dazu geführt, dass die Regulierung nicht mehr funktioniert, da ein Wettbewerb der weniger strengen Regulierung statt gefunden hat. Hier müssen sich die Staaten die Gestaltungsmacht zurück erobern durch internationale Kooperation.
Leider wird zur Zeit nur auf die Bankmanager eingeschlagen. Sie waren zu gierig. Dass die Akteure gierig sind. sollte uns aber nicht überraschen. Das ist so als wenn man Schweinen vorwirft, dass sie sich im Dreck suhlen (ich wollte jetzt Bankmanager aber nicht mit Schweinen vergleichen). Es ist Aufgabe der Politik die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Gier (Egoismus) zu einem gesamtwirtschaftlichen Vorteil wird. Funktionierende Märkte haben gerade diese Eigenschaft (s. Adam Smith's Unsichtbare Hand). Es ist aber die originäre Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass Märkte funktionieren. Jeder Politiker sollte zum Beispiel hellhörig werden, wenn auf einem Markt zweistellige Eigenkapitalrenditen erwirtschaftet werden. Entweder fehlt es an Wettbewerb oder eine Spekulationsblase ist am entstehen.

Den gut bezahlten Bankmanagern kann man allerdings vorwerfen, dass sie die Politik nicht ausreichend über die sich aufbauende Spekulationsblase informiert haben. Die einzelne Bank oder der einzelne Bankmanager kann sich der Marktlogik nur begrenzt entziehen. Aber als Staatsbürger haben sie die Pflicht vor Schneeballsystemen zu warnen. Wenn die Banker selbst das Schneeballsystem nicht erkannt haben, sind sie ihr Geld nicht wert. Wenn sie nicht davor gewarnt haben, haben sie nicht ihre Pflicht erfüllt. Wenn die Politik eventuelle Warnungen nicht hören wollten, haben sie ihre originäre Aufgabe nicht erfüllt.

Natürlich hat auch die Wissenschaft versagt, die nicht in der erforderlichen Breite und Intensität gewarnt hat, obwohl sie seit Jahrhunderten (s.a. Tulpenzwiebelblase 1637) Spekulationsblasen beobachten konnte. Vielleicht ist es auch ein heilsamer Schock und uns bleibt nun manch fruchtlose Diskussion zwischen Marktradikalen und Staatsanbetern erspart.